Tiana by Lucia St. Clair Robson

Tiana by Lucia St. Clair Robson

Author:Lucia St. Clair Robson [Robson, Lucia St. Clair]
Language: eng
Format: mobi
Published: 2012-01-31T23:00:00+00:00


28

David fingerte an seinem Hut herum. Er hatte das Gefühl, daß das, was ihm vernünftig vorkam, bei anderen nicht unbedingt auf Gegenliebe stieß.

»Major, ich möchte Adoniram Wolf hier in Fort Smith als Schmied empfehlen.« Mildes Erstaunen ersetzte den gewöhnlich strengen Ausdruck in Bradfords schmalem Gesicht.

»Er ist Indianer«, sagte er.

»Er ist ein guter Schmied. Er hat acht Jahre für mich gearbeitet.«

»Wir können ihn nicht gebrauchen.« Bradford sah den Zorn in Davids Augen. »Hören Sie, Gentry, einige meiner besten Freunde sind Indianer. Viele von ihnen sind gute Menschen. Besser als der durchschnittliche Weiße hier draußen, kann ich Ihnen versichern. Das ist das Problem. Hier draußen geht es ruppig zu.«

»Adoniram kann auf sich selbst aufpassen.«

»Er würde mit Weißen Geschäfte machen müssen. Die reinblütigen Indianer sind dafür nicht geschaffen. Sie sind zu anständig, wenn Sie die Wahrheit hören wollen. Den Weißen würde es nicht gefallen, mit ihm zu tun zu haben. Und ich kann Ihnen versichern, daß es umgekehrt auch ihm nicht gefallen würde. Sie würden ihn beleidigen. Sie würden ihn betrügen. Sie würden ihn verderben.« Bradford hob müde die Hand, als David protestieren wollte.

»Ich weiß, was Sie sagen wollen. Ihr Junge ist anders als die anderen. Er würde nicht anfangen zu trinken. Glauben Sie mir, irgendwann werden sie ihn erwischen. Und sie würden sich an seine Frau heranmachen. Hier grassiert die Syphilis. Und die Indianerinnen erliegen meist der Zügellosigkeit, wenn nicht durch Bestechung und Geschenke, dann durch Gewalt. Teufel auch, mir gefällt das nicht. Ich tue mein Möglichstes, um dem ein Ende zu machen.« Bradford war ein vielbeschäftigter Mann, doch Davids arglose Augen schienen ihn aus der Reserve zu locken. Bradford schüttelte den Kopf.

»Ich bin davon ausgegangen, daß die Situation sich bessern würde, sobald die Anwesenheit der Armee sich bemerkbar machte. Doch mehr Soldaten scheinen nur mehr Käufer für den verfluchten Whiskey zu bedeuten, den diese Schurken verkaufen. Mehr als alles andere ist es der Whiskey. Und die Indianer sind dafür eine leichte Beute. Nun, ich will Sie nicht mit einem Klagelied langweilen. Ihr Junge würde unglücklich sein, glauben Sie mir.«

Ein Sergeant platzte herein und salutierte eilig.

»Bitte um Vergebung, Sir«, sagte er. »Lieutenant Billings ist hinter einem Händler her, diesem Burschen Litten. Will ihn umbringen. Sagte, er hätte seine Frau verführt. Und die Indianer sind dabei, außer Rand und Band zu geraten. Ein regelrechtes Tohuwabohu ist das, Sir.«

»Entschuldigen Sie mich, Mr. Gentry.«

David folgte Bradford nach draußen. Er blinzelte in dem hellen Sonnenlicht und ging quer über den Exerzierplatz, der voller Menschen war. Schon eine Woche nach ihrer Ankunft vor sechs Monaten hatten Bradfords Männer ein Krankenhaus gebaut, ein allgemeines Lagerhaus, ein Lagerhaus für Proviant sowie das kleine Blockhaus, das Bradford als Hauptquartier diente. Seitdem waren noch weitere Gebäude hochgezogen worden, doch die Fehden zwischen den Osage und Cherokee hatten den weiteren Fortschritt gestoppt. Die beiden Palisadenwände zum Land hin waren zwar fertiggestellt worden, aber die Seiten zum Zusammenfluß des Arkansas und des Poteau River klafften wie Zahnlücken.

David stand auf dem gelbbraunen Felsufer vor dem Fort und blickte auf die beiden Flüsse hinunter. Er konnte die Lager des Wahren Volkes sehen, der Alten Siedler, die sie auf beiden Seiten säumten.



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